Kunst: Lichtblicke und Zankapfel

 

Kultureller Sommerausklang mit Gemälden des Ausnahmekünstlers Peter Henryk Blum,
mit Lesung und Jazzfrühschoppen

LAUTERBACH (ot). Ein durch und durch inspirierender Abend, das hatte der Kulturverein Lauterbach im
Zusammenhang mit der Veranstaltung "Kunst im Alten Holzwerk" zum Auftakt versprochen und Wort gehalten.

Der bekannte Maler und Grafiker Peter Henryk Blum aus Motten stellte 13 seiner Werke aus.
Feinsinnige, stilvolle Lichtblicke, äußerten sich begeisterte Betrachter.
Dass "Kunst" aber auch stark polarisieren kann, das unterstrich die dramatische Lesung mit Christof Rath,
Marianne Blum und Wolfgang Mihm.
Den aktiven Mitgliedern war es gelungen, ein ansprechendes Programm zusammenzustellen und
eine kalte Lagerhalle in einen wärmenden Tempel der Kunst und Kultur zu verwandeln.

Dafür und für 20-jähriges Wirken auf dem städtischen Kultursektor sprach
Bürgermeister Rainer-Hans Vollmöller den Initiatoren seinen Dank aus.
Ebenso dankte er Jürgen Ahlbrandt, dem Hausherrn, der als Mitglied und Unternehmer
die Vereinsarbeit tatkräftig unterstützt.

Das zweitägige Spektakel begeisterte Gäste und hinterließ einen zufriedenen Veranstalter.
Mit Sicherheit werden die Gemälde und die Person Peter Henryk Blum noch einige Zeit Gesprächsstoff
in der Region bleiben. Der Maler mit ostpreußischen Wurzeln hat das Charisma eines Popstars,
erinnert ein wenig an den jungen David Bowie.

Jedoch täuscht der kühle, rebellische Blick. Blum lässt die Menschen an sich heran
und diskutiert mit ihnen nicht nur über Kunst. Unbehaglich fühlt er sich nur auf der Bühne,
wenn er über sich selbst sprechen soll, was im Alten Holzwerk deutlich sichtbar wurde.
Auf der ganzen Welt werden seine Bilder ausgestellt und vielerorts verweigerte er derartige Auftritte.

Für den Kulturverein sprang der Künstler über seinen Schatten und erklärte kurz,
wie einige seiner Werke zustande kamen. "Ich schaffe lebendige Kunst", untermauerte er die
außergewöhnlichen Darstellungen. Wer genau hinschaute und das Umfeld des Malers etwas kannte,
der konnte unter den Motiven einige von Blums Freunden erkennen.
Ins Auge stachen Michael Bleuel und Wolfgang Mihm.
"Es sind die interessanten Menschen und ihre Geschichten, die mich inspirieren", sagte er dem LA und
verwies auf das Gemälde eines buckligen Mädchens, welches er zur Teilnahme
an einem Modell-Steh-Wettbewerb überredete. Sie erreichte trotz ihrer Unvollkommenheit Platz drei.
Diese Unvollkommenheit bannte Blum auf Leinwand.

Eine Auswahl der besten Werke des Malers und Graphikers Peter Henryk Blum wurden
im Bildband (2004) Malerei und Graphik, "Die ersten zwanzig Jahre 1984-2004",
vom Michael Imhof Verlag herausgegeben.

Schaffen und Wirken tut er in der 2006 fertiggestellten Galerie und Atelier "Kunstraum" in Motten.
Diesen können kunstinteressierte Menschen nach telefonischer Anmeldung (748-930 950) besichtigen.
"Überall auf der Welt werden die gleichen Fragen gestellt, deswegen ist es egal,
ob die Vernissage in Osaka oder Lauterbach stattfindet", äußerte er sich zum Thema Stellenwert.
Jede Kunstausstellung sei wichtig.

"Der einzige Unterschied für mich: In Lauterbach findet man leichter einen Parkplatz", fügte er scherzend an.
Trotz des Erfolgs hat er noch Wünsche, nämlich seiner dreijährigen Tochter mit überdeutlichem Maltalent
ein guter Vater zu sein und die besondere Gabe sanft zu fördern.
Eines Tages auf ihrer Ausstellung zu sein, das wäre der größte Wunsch des Peter Henryk Blum.

Im gleichnamigen Theaterstück von Yasmina Reza wurde Kunstverständnis unter langjährigen Freunden
zum "Zankapfel". "Mein Freund Serge hat sich ein Bild gekauft.
Ein Ölgemälde von etwa einem Meter sechzig auf ein Meter zwanzig, ganz in Weiß.
Der Untergrund ist weiß, und wenn man die Augen zusammenkneift,
kann man feine weiße Querstreifen erkennen", so beschrieb Marc, gespielt von Christof Rath, das Bild,
welches zum Zankapfel wurde und seine langjährige Freundschaft zu Serge (Marianne Blum) und
Yvan (Wolfgang Mihm) auf eine Zerreißprobe stellte.

Die Akteure brachten mit Wortgewalt sehr viel Emotion und Bewegung in die dramatische Lesung,
die hauptsächlich zum Schmunzeln anregte, aber den nachdenklichen Hintergrund nicht verfehlte.
Kann man Menschen mit schlechtem Geschmack mögen?, stellt sich Marc die Frage. Man kann!

Zum Schluss siegte die Freundschaft über eskalierenden Snobismus und einseitiges Kunstverständnis.
Dem weißen Bild auf weißem Untergrund wird eine Filzstiftzeichnung zugefügt,
die fortan das 200 000 Francs teure Werk untertitelt:
"Ein Mann, der den Raum durchquert und dann verschwindet."
Auch am sonntäglichen Jazzfrühschoppen gab es nichts auszusetzen.
Das Jazzquartett (Carolin Falk, Rolf Jacob, Berthold Möller und Wolfgang Harling)
war für die angekündigte Big Band der Musikschule der Kreisstadt Lauterbach eingesprungen.

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Lauterbacher Anzeiger vom 31. August 2009