Bella & Bellissimo  in der Kunststation Kleinsassen

 

Die Sängerin und Schauspielerin Marianne Blum,
die bisher hauptsächlich durch ihre künstlerische Zusammenarbeit mit Marina Gajda bekannt war,
stellte ihr neues Programm, diesmal mit dem Klavierspieler Daniel Müller als Partner,
in der Kunststation in Kleinsassen vor.

Das Publikum kennt Daniel Müller als Keyboarder bei den Mambo Kingx und als
Stage Pianist bei Wolf & Bleuel und in der Band von Guildo Horn.
Bella & Bellissimo nennt sich dieses neue Duo jetzt und die beiden führen eindrücklich vor Augen,
dass der Name in allen seinen Bedeutungen Programm ist.
Denn „schön“, wie das italienische Wort „Bella“ andeutet, sind die musikalischen Interpretationen dieses
kongenialen Musikerpaares ganz ohne Frage und wenn man dann noch Danny Müller als Pianist „Bello“
an der Leine erlebt, wird auch die humoristische Dimension des Ganzen sinnbildlich.

Das ist ganz große Kleinkunst! Doch was erwartete den Zuschauer am 03.10. in der Kunststation?
Ein Kabarett-Programm, das sich mit allen Fragen zum Thema Auswandern,
da bleiben, Heimweh und Fernweh befasst.
Dick eingekleidet in einen Pelzmantel über einem Kleid und Jeans und zwischen zahllosen Koffern,
die das passende Bühnebild abgaben, erinnerte Marianne Blum an die Auswanderer früherer Zeiten,
die sich mit ihrem gesamten Hab und Gut auf die Reise machen. Spanische Lieder,
wie „Eviva Espana“ oder “La Cucaracha“, deuteten den Sprachraum an, für den sie sich entschieden hatte.
Nach Mallorca sollte es gehen und „Bello“ muss mit. Doch davon war ihr Pianist kaum zu überzeugen.

Trocken schmetterte er all ihre Argumente ab, die das hohe Lied auf das so genannte leichte Leben im Süden
angeblich bietet und lieferte sich mit ihr immer wieder höchst unterhaltsame Wortgefechte.
Doch auch die Blum zeigte sich nicht frei von Bedenken. Selbstkritisch reflektierte sie die Unmöglichkeit,
geeignete Handwerker zu finden, die Startschwierigkeiten, die man immer hat,
wenn man ohne eine Menschenseele zu kennen in einem fremden Land bei Null anfangen muss
und all die deutschen Besonderheiten, die eine Integration im Ausland wenn nicht verhindern,
so doch erschweren. Nur beim Thema Heimweh blieb sie hart.

Obwohl sie zu diesem Teil im feschen Dirndl erschien und auch gemeinsam mit dem Publikum
„Schön war die Zeit“ zur allgemeinen Begeisterung anstimmte, begegnete sie diesem Gefühl
doch mit ausgesprochener Ironie.
Wahres Pathos erlaubte sie sich nur beim Fernweh, das in der „Meeres-Ballade“
(zum Brüllen komisch: Marianne Blum an der singenden Säge) und in einer absolut einzigartigen Version
von „La Paloma“ zum klingen kam.

Danny Müller dagegen zeigte in dem Tango „Um die Wurst“, dass er auch singen und komponieren kann.
Marianne Blum und Daniel Müller harmonieren in ihrer künstlerischen Darbietung über
die gesamte Vorstellung trefflich miteinander.
Er glänzte mit seinen pianistischen Fähigkeiten vor allem in den Schlagern,
den Latin-Stücken und den Jazz Improvisationen. Auch die beiden Stücke von Hugo Wolf
und Paul Graener (herrlich absurd: „Die weggeworfene Flinte“) aus dem Bereich moderne Klassik
meisterte er gut. Blum entzückte mit ihrer kräftigen und ausdrucksstarken Stimme,
die einen besonderen Wohlklang in den mittleren und tieferen Tonlagen entwickelt.

Dabei hatte es Daniel Müller nicht leicht. Marianne Blum zeigt eine große Gewandtheit,
mit dem Publikum zu spielen und dessen Stimmungen geschickt aufzugreifen.
Müller zeigt sich der Herausforderung gewachsen.
Die beiden Künstler harmonieren exzellent in der musikalischen Interpretation wie
in der Ausgestaltung der kabarettistischen, oft tiefsinnigen Dialoge. 
Sie bereiten dem Publikum, das ihre Ausführungen mit viel Applaus,
oft Szenenapplaus würdigt, mit ihren Darbietungen einen wunderschönen Abend.

Das Gelingen des Abends wurde dadurch gefördert, dass das Publikum an kleinen Tischen in gemütliche
Sitzrunden verteilt war und in den Pausen schmackhafte Häppchen durch das Cafe der Kunststation serviert
wurden, so dass ein angenehmes Ambiente geschaffen war.
Die Veranstaltung hatte einen sehr guten Publikumszupruch und man darf den Verantwortlichen
der Kunststation Mut zusprechen, auf diesem Wege weiterzudenken.

Die Künstler allerdings werden jetzt wirklich die Koffer packen. Am 11.10. sind Bella und Bellissimo
in der Kulturfinca Son Bauló auf Mallorca zu sehen.

Dr. Wilhelm Mons

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Fuldaer Zeitung vom 7. Oktober 2008